Forschungsansatz

Die gemeinsame Arbeit des Forschungsverbunds wird durch ein geteiltes Verständnis von „kommunikativen Figurationen“ geleitet. Diese werden als musterhafte, medienübergreifende Interdependenzgeflechte von Kommunikation definiert, in denen und durch die Menschen ihre soziokulturelle Wirklichkeit und deren symbolischen Bedeutungsgehalt konstruieren. Als solche sind „kommunikative Figurationen“ keine statischen Phänomene, sondern stets in ihrer Prozesshaftigkeit zu sehen: Sie werden in kommunikativer Praxis realisiert, dabei reartikuliert und wandeln sich so in unterschiedlichen Graden fortlaufend. Wir können „kommunikative Figurationen“ im Sinne eines wissenssoziologischen Sozialkonstruktivismus als die Grundlage der kommunikativen Konstruktion soziokultureller Wirklichkeit begreifen: Es sind die verschiedenen „kommunikativen Figurationen“, in denen bzw. durch die Wirklichkeit einer Kultur und Gesellschaft in deren Bedeutungsdimension konstituiert wird.

„Kommunikative Figurationen“ lassen sich entlang von vier Merkmalen bestimmen:

  • Kommunikationsformen: Der Begriff erfasst die verschiedenen Weisen kommunikativen Handelns, die sich zu komplexeren Mustern kommunikativer Praxis fügen. Wir können hier beispielsweise an Muster von Gesprächen, von Darstellungsformen, Texten und Diskursen denken. Bestimmte Kommunikationsformen sind charakteristisch für eine kommunikative Figuration.
  • Medienensem­ble: Für jede kommunikative Figuration lässt sich ein für sie kennzeichnendes Medien­ensem­ble ausmachen. Hierunter verstehen wir die Kombination aller Medien, die sich einer kommunikativen Figuration zuordnen lassen.
  • Akteurskonstellation: Jede kommunikative Figuration verfügt über eine typische Akteurskonstellation. Damit ist das Gefüge von Personen und Organisationen gemeint, die durch ihr Handeln die kommunikative Figuration bilden.
  • Thematische Rahmung: Schließlich hat jede kommunikative Figuration eine bestimmte thematische Rahmung. Es besteht ein handlungsleitender und orientierender „Sinn“, der die kommunikative Figuration als ein „Ganzes“ erfassbar macht.

Bei einer solchen Beschreibung von „kommunikativen Figurationen“ sind vier Konstruktionsleistungen zu berücksichtigen:

    • Bindung: Die kommunikative Konstruktion leistet Inklusion, Vergemeinschaftung und Vergesellschaf­tung.
    • Regeln: Die kommunikative Konstruktion schafft gesellschaftliche und kulturelle Regelsetzung und Regulation.
    • Segmentierung: Die kommunikative Konstruktion produziert gesellschaftliche und kulturelle Aufteilungen, Trennlinien und Unterscheidungen.
    • Macht: Die kommunikative Konstruktion baut Machtverhältnisse auf und die damit verbundenen Handlungspotenziale und Handlungseinschränkungen.

    Ausgehend von einem solchen geteilten Grundverständnis „kommunikativer Figurationen" untersucht der Forschungsverbund deren Spezifik und Transformation und damit die Veränderung der kommunikativen Konstruktion sozialer Wirklichkeiten in Bezug auf Individuum, Beziehungen, soziokulturelle Felder und Medien.