DFG-Projekt "Pionierjournalismus: Die Re-Figuration der Organisation(en) des Journalismus"

Eine Untersuchung von Pionierjournalismus in Deutschland hinsichtlich seiner Rolle bei der Re-Figuration der organisationalen Grundlagen von Journalismus.


Projektleitung: Prof. Dr. Andreas Hepp (ZeMKI, Universität Bremen), Prof. Dr. Wiebke Loosen (Hans-Bredow-Institut, Hamburg)

Beteiligte Einrichtungen: ZeMKI, Uni Bremen, Hans-Bredow-Institut Hamburg

Gefördert durch die Deutsche Forschungsgemeinschaft (DFG)

Laufzeit: 2019-2022

Grundlegendes Ziel dieses Forschungsprojektes ist es, den Pionierjournalismus als Antriebskraft der Re-Figuration des Journalismus und seiner organisationalen Grundlagen zu erforschen. Unter Pionierjournalismus verstehen die Autoren neue Formen des Journalismus, die darauf ausgerichtet sind, Journalismus, seine Funktion, Leistungen, Strukturen und Praktiken, neu zu definieren. Pionierjournalismus hat das Ziel der Etablierung neuer Figurationen journalistischer Produktion und Verbreitung. Medien und digitale Technologien spielen dabei eine entscheidende Rolle und bilden häufig die Basis für neue Entwicklungen. Pionierjournalismus findet sich dabei in etablierten Medienorganisationen, aber auch Start-Ups, Acceleratoren sowie bei individuellen professionellen Pionieren. Bereits geleistete eigene Vorarbeiten zeigen, dass ein loses Netzwerk von Pionierjournalismus über diese verschiedenen Akteure hinweg besteht, das unter Umständen die Grundlage für eine journalistische Pioniergemeinschaft bildet.

Das Projekt geht der Fragestellung nach, welche Rolle Pionierjournalismus bei der Re-Figuration der organisationalen Grundlagen von Journalismus spielt. Mit Bezug auf diese Fragestellung soll Pionierjournalismus in Deutschland auf fünf Ebenen untersucht werden:

Erstens wird mittels einer Inhaltsanalyse von Selbstbeschreibungen ein Mapping von individuellen Akteuren, Start-Ups, Acceleratoren und etablierten Medienorganisationen, die zentral im Bereich des Pionierjournalismus sind, erstellt und ihre Vorstellungen von Journalismus typisiert. Zweitens werden durch eine Medienethnografie verschiedene, auf Innovation ausgerichtete organisationale Figurationen etablierter Medienorganisationen erforscht. Drittens untersuchen die Autoren – ebenfalls mittels Medienethnografie – organisatorische Figurationen bei Start-Ups, Acceleratoren und individuellen Pionieren. Durch eine qualitative Netzwerk- und standardisierte Twitter-Analyse rekonstruieren sie, viertens, das Netzwerk von Pionierjournalisten, über das möglicherweise eine übergreifende journalistische Pioniergemeinschaft besteht. Und fünftens werden diese Forschungsergebnisse in eine übergreifende Analyse der Re-Figuration der organisationalen Grundlagen des Journalismus integriert - mit dem Ziel der Typisierung von Mustern ihrer gegenwärtigen Transformation.


Dieses Projekt ist Teil einer Verbundforschung, die insgesamt drei Forschungsprojekte beinhaltet, die sich mit dem gegenwärtigen Stand der Re-Figuration von öffentlicher Kommunikation aus drei verschiedenen Perspektiven auseinandersetzen. Sie alle gehen der übergeordneten Fragestellung nach, welche Konsequenzen die tiefgreifende Mediatisierung für die Re-Figuration von öffentlicher Kommunikation hat. Das vorliegende Projekt A betrachtet dabei den Journalismus in Deutschland. Projekt B beschäftigt sich mit der Beziehung zwischen Journalismus und seinem Publikum und Projekt C betrachtet die Veränderungen in den Medienrepertoires und damit die Anbindung von Individuen an die Öffentlichkeit.

Teil des Verbundprojektes "Die Re-Figuration von öffentlicher Kommunikation in Zeiten tiefgreifender Mediatisierung: Pionierjournalismus, Publikumsbeziehungen und Anbindung von Individuen an Öffentlichkeit"

Ausgewählte Publikationen

  • Couldry, N./Hepp, A. (2017): The mediated construction of reality. Cambridge: Polity Press.
  • Hepp, A. & Loosen, W. (2019) Pioneer journalism: Conceptualizing the role of pioneer journalists and pioneer communities in the organizational re-figuration of journalism. Journalism, Online first, 1-19.
  • Heise, N./Loosen, W./Reimer, J./Schmidt, J.-H. (2014): Including the audience. In: Journalism Studies, 15(4), 411–430.
  • Hepp, A. (2016): Pioneer communities. In: Media, Culture & Society, 38(6), 918–933.
  • Kramp, L./Weichert, S. (2017): Der Millennial-Code. [The Millennial Code.]. Leipzig: Vistas.
  • Loosen, W. (2015): The notion of the ‘blurring boundaries’. In: Digital Journalism, 3(1), 68–84.
  • Loosen, W./Scholl, A. (2017): Journalismus im Zeitalter algorithmischer Wirklichkeitskonstruktion [Journalism in the age of algorithmic construction of reality]. In: Medien & Kommunikationswissenschaft, 65(2), 348–366.
  • Schmidt, J.-H./Loosen, W. (2015): Both sides of the story. In: Digital Journalism, 3(2), 259–278.
  • Loosen, W./Reimer, J./De Silva-Schmidt, F. (2017): Data-driven reporting: an on-going (r)evolution? In: Journalism, online first, doi:10.1177/1464884917735691.