Pioniergemeinschaften

Die Quantified-Self- und Maker-Bewegung als kollektive Akteure tiefgreifender Mediatisierung


Projektleitung: Prof. Dr. Andreas Hepp (ZeMKI, Universität Bremen)

Gefördert durch die Deutsche Forschungsgemeinschaft (DFG)

Laufzeit: 2018-2021

Im vergangenen Jahrzehnt haben sich medienbezogene Pioniergemeinschaften entwickelt, die sowohl sozialen Bewegungen als auch Think Tanks ähneln und danach streben, den Wandel von Medien, Kultur und Gesellschaft zu beeinflussen. Markante Beispiele hierfür sind die Quantified Self- und Maker-Bewegung. Bei der Quantified-Self-Bewegung stehen digitale Praktiken der Selbstvermessung im Vordergrund, während die Maker-Bewegung in offenen Werkstätten – sogenannte Makerspaces – auf die kollaborative Entwicklung digitaler Produktions- und Herstellungsweisen fokussiert. Das Projekt soll mit Blick auf Deutschland und Großbritannien vergleichend untersuchen, wie diese Pioniergemeinschaften durch die sich verändernde Medienumgebung befördert werden. Hierbei stellt sich die Frage, welches Veränderungspotenzial die Konzeptionen von Kollektivität der Pioniergemeinschaften selbst haben und wie dies im öffentlichen Diskurs verhandelt wird.

Als Pioniergemeinschaften sind die Quantified-Self- und Maker-Bewegung komplexe transnationale und transkulturelle Netzwerke, die technologiebasierte Vorstellungen von Kollektivität unterstützen und etablieren wollen. Dabei besteht ihr sozialer Einfluss eher aus einem komplexen Prozess der Verbreitung von Technologien und der journalistischen Berichterstattung darüber, als aus der einseitigen Durchsetzung ihrer gesellschaftlichen Vision.

Das Projekt erforscht die Pioniergemeinschaften auf drei Ebenen: Im ersten Schritt werden die kommunikativen Figurationen der beiden fokussierten Pioniergemeinschaften und deren Machtbeziehungen vergleichend rekonstruiert. Zweitens erforscht es ihre Konzepte medien-bezogener Kollektivität und gesellschaftlicher Transformation. In ihrer eigenen Perspektive verstehen die Pioniergemeinschaften diese als Blaupausen möglicher Veränderung. Drittens erforscht das Projekt den öffentlichen Diskurs über diese Pioniergemeinschaften und vergleicht die Ergebnisse mit deren eigenen Strukturen und Konzeptionen. Methodisch basiert das Projekt auf einer medienethnographischen Analyse der beiden Pioniergemeinschaften (unter Einbezug von Sortiermethoden, Crawler- und qualitativen Netzwerk-Analysen), einer qualitativen Inhaltsanalyse ihrer vorgestellten Konzepte von Kollektivität und Transformation sowie einer qualitativen Langzeit-Inhaltsanalyse der Berichterstattung über sie in Druck- und Onlinemedien. Die Forschung wird primär in Deutschland und Großbritannien durchgeführt mit Berlin und London als den Europäischen Knotenpunkten der beiden Pioniergemeinschaften. Zusätzlich findet Forschung in der amerikanischen Bay Area um San Francisco als deren Ursprung statt sowie bei ausgewählten europäischen Events.

Externe Kooperationen

Prof. Dr. Nick Couldry, LSE

Prof. Dr. Sonia Livingstone, LSE

Dr. Mark Taylor,  University of Sheffield

Prof. Dr. Gina Neff, University of Oxford

Prof. Dr. Michaela Pfadenhauer, University of Vienna

Prof. Dr. Fred Turner, Stanford University

Ausgewählte Publikationen

  • Couldry, N. / Hepp, A. (2017): The mediated construction of reality. Cambridge: Polity Press.
  • Hepp, A. (2016): Pioneer communities: Collective actors of deep mediatisation. In: Media, Culture & Society, 38 (6), S. 918-933.
  • Hepp, A. (2018): What makes a Maker? Curating a pioneer community through franchising. In: Nordisk Tidsskrift for Informationsvidenskab og Kulturformidling, 7 (2). Download als *.pdf.